Beim Enkeltrick rufen Betrüger ältere Menschen an und geben sich als Enkel, Neffe, Nichte oder anderer Verwandter aus. Sie nutzen einen einfachen psychologischen Trick: Sie lassen die angerufene Person selbst den Namen erraten.
Sobald die Oma oder der Opa einen Namen vorschlägt, übernimmt der Anrufer diese Identität: «Ja genau, ich bin's!» Es folgt eine Notlage – ein Unfall, eine offene Rechnung, ein neues Auto – und die Bitte um Geld.
Der Enkeltrick gehört zu den ältesten Telefon-Betrugsmaschen und ist nach wie vor in der Schweiz aktuell.
Typische Beispiele
Wie sich Enkeltrick und Schockanruf unterscheiden
Beim Schockanruf geben sich Betrüger oft als Polizei, Anwalt oder Notarzt aus und schildern einen schweren Unfall des Familienmitglieds. Der psychische Druck ist sehr stark.
Beim klassischen Enkeltrick ist der Ton vertrauter und persönlicher. Der angebliche Verwandte ruft selbst an und appelliert an die emotionale Bindung. Die Geldforderung wirkt zunächst harmloser, ist aber genauso schädlich.
Warnsignale
- Der Anrufer nennt seinen Namen nicht selbst, sondern lässt ihn erraten
- Die Stimme klingt anders als gewohnt («Erkältung», «schlechte Verbindung»)
- Geldforderung kurz nach dem Smalltalk
- Die Begründung erzeugt Mitgefühl (Unfall, Schulden, Geldnot)
- Druck wegen Frist («heute noch», «sonst gibt es Ärger»)
- Bitte um Diskretion: «Erzähl es Mama und Papa nicht»
- Geld soll an einen «Freund» oder «Anwalt» übergeben werden, nicht direkt
Was Sie tun sollten
- Den Anrufer fragen, wer er ist – ohne selbst Namen vorzuschlagen
- Keine Angaben zu Familienverhältnissen, Wohnort, Bank, Bargeld oder Wertsachen machen
- Sofort auflegen, wenn die Stimme verdächtig klingt
- Den vermeintlichen Enkel oder Verwandten selbst über die bekannte Nummer zurückrufen
- Andere Familienmitglieder informieren und nachfragen
- Keine Wertsachen oder Bargeld an unbekannte Personen übergeben
- Im Zweifel: 117 wählen und die Polizei einbeziehen
Schon Geld übergeben?
Wenn bereits Geld oder Wertsachen übergeben wurden:
- Sofort 117 oder Kantonspolizei kontaktieren
- Beschreibung des Abholers notieren (Aussehen, Auto, Kennzeichen)
- Telefonnummer des Anrufs notieren
- Bewahren Sie Bankbelege, Quittungen oder Chatverläufe auf – diese helfen bei Polizei und Bank
- Angehörige informieren
- Keine weiteren Zahlungen leisten
- Betrugsversuch beim NCSC melden: report.ncsc.admin.ch
Schutz für ältere Familienmitglieder
Sprechen Sie offen mit Eltern und Grosseltern über diese Betrugsmasche. Vereinbaren Sie ein Familien-Codewort, das nur die nächsten Familienmitglieder kennen. Bei einem Anruf können sie damit prüfen, ob es wirklich der Enkel oder die Enkelin ist.
Geben Sie nicht öffentlich preis, wer in der Familie wo wohnt oder welche Wertsachen vorhanden sind. Solche Informationen finden Betrüger oft in Telefonbüchern, Todesanzeigen oder sozialen Medien.
Eine einfache Regel hilft schon viel: Bei Geldforderungen am Telefon immer zuerst auflegen und selbst zurückrufen.
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