Eine Nachricht von der Chefin: «Hast du kurz Zeit? Ich bin in einer Sitzung und brauche dringend deine Hilfe.» Dann folgt die Bitte, Geschenkkarten zu kaufen oder eine Zahlung auszulösen – diskret und sofort. Die Nachricht stammt aber von Betrügern. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) zählte 2025 fast 1000 solcher Fälle in der Schweiz. Betroffen sind Firmen, aber auch Vereine, Kirchgemeinden, Schulen und Gemeinden.
So läuft es ab
- Auskundschaften: Die Täter suchen auf Firmenwebsites, LinkedIn oder im Handelsregister, wer in einem Betrieb arbeitet – besonders gern neue Mitarbeitende und Lernende.
- Nachricht vom «Chef»: Per E-Mail oder WhatsApp kommt eine Nachricht, die aussieht, als käme sie von der Geschäftsleitung. Die Absenderadresse ist leicht verändert.
- Dringende Bitte: Geschenkkarten kaufen (z. B. Apple), die Codes freirubbeln und ein Foto schicken – oder eine Zahlung ins Ausland auslösen.
- Geheimhaltung: «Es soll eine Überraschung sein» oder «Ich verlasse mich auf Ihre Diskretion.» Rückfragen werden abgeblockt.
- Neu: Manchmal rufen die Täter sogar an – mit einer KI-Stimme, die wie der Chef klingt.
Daran erkennen Sie es
- Ungewöhnliche Bitte, die nicht zum normalen Ablauf passt.
- Zeitdruck und Bitte um Geheimhaltung.
- Der «Chef» kann angeblich gerade nicht telefonieren.
- Geschenkkarten als Zahlungsmittel – das verlangt keine seriöse Firma.
- Die Absenderadresse ist bei genauem Hinsehen leicht anders.
So schützen Sie sich
- Immer nachfragen – über einen bekannten Weg: die Chefin persönlich ansprechen oder unter der bekannten Nummer anrufen. Nicht auf die Nachricht antworten.
- Nie Geschenkkarten-Codes per Mail oder Foto weitergeben.
Für Firmen und Vereine
- Zahlungen immer zu zweit freigeben (Vier-Augen-Prinzip), auch für die Geschäftsleitung keine Ausnahmen.
- Neue Mitarbeitende und Lernende von Anfang an über diese Masche informieren.
- Klar regeln: Zahlungsaufträge kommen nie nur per Mail oder WhatsApp.
Wenn es passiert ist
- Informieren Sie sofort Ihre Vorgesetzten – die echten.
- Bei Geschenkkarten: sofort den Anbieter kontaktieren, manchmal lässt sich das Guthaben noch sperren.
- Bei Zahlungen: sofort die Bank anrufen.
- Anzeige bei der Polizei erstatten und dem BACS melden: report.ncsc.admin.ch
Schritt für Schritt: Sofort-Hilfe
Aktueller Fall
Ein 16-jähriger Lernender in Chur erhielt eine Mail von seiner «Chefin»: Er solle Apple-Geschenkkarten für 1000 Franken kaufen – als Überraschung fürs Team. Er wurde misstrauisch, rief seine Chefin an und verhinderte so den Betrug. (Blick, 22.9.2026)
Quellen
- Netzwoche: «BACS warnt vor anhaltendem CEO-Betrug», 28.1.2026
- Blick: «Linkedin als Gefahr: Betrüger sprechen gezielt Lehrlinge an», 22.9.2026
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